Ich bin Julia Büsselberg und im ILCA 6 auf dem Weg zu meinen zweiten Olympischen Spielen in Los Angeles 2028.
Von Geburt an bin ich auf dem Boot der Familie mitgesegelt. Mit 9 Jahren wollte ich dann mehr und begann das Jüngstenboot Optimist alleine zu segeln. Inzwischen bin ich als Deutschlands derzeit erfolgreichste Seglerin in der Bootsklasse ILCA 6 aktiv.


Für den ersten Teil des Wintertrainings hatten wir uns mit der Nationalmannschaft der Italienerinnen verabredet. So kam es dann auch, dass es nach einem ersten Trainingsblock in Rosignao im Anschluss an die Deutsche Meisterschaft dann zur Italienischen Meisterschaft nach Sizilien ging. Wir sind eine Woche früher angereist, um in Montebello noch ein wenig zu trainieren. Dort begrüßte uns eine große Welle und ein starker Wind, der die Slipprampe des ausrichtenden Vereines komplett überspülte. Vom Club nebenan konnte man aber zwischen reichlich Seegras hindurch dennoch aufs Wasser. Das An- und Ablegen an diesen Tagen war deutlich anstrengender als die Segeleinheit an sich. Daher waren wir dann glücklich, bei der Regatta vom Strand ablegen zu können, wo kaum Seegras und Welle waren. Wie bei jeder Meisterschaft gab es wieder eine Vermessung der Boote und Segel, bevor die Regatta starten konnte. Leider war die Mittagspause der Vermesser im Vorhinein nicht kommuniziert worden, sodass wir sehr lange warten mussten und auch darüber hinaus ließ die Kommunikation der Veranstalter während des Events etwas zu wünschen übrig. Auf dem Wasser war die Organisation jedoch sehr gut. Es wurden schnelle Entscheidungen getroffen. Bei zunehmenden Wind bin ich am ersten Tag solide in die Regatta gestartet. Am nächsten Tag habe ich mich in jedem Rennen sehr gut nach vorne gefahren und den Tag auch als Führende in der Gesamtwertung beendet. Während des letzten Tagesrennens zog die den ganzen Tag schon über dem Land lauernde schwarze Regenwolke dann noch über den Kurs hinweg. Der Wind drehte und die Wettfahrt musste abgebrochen werden. Auf dem Weg in den Hafen hat es auf einmal so stark geregnet, dass wir nicht weiter als 20m schauen konnten. Und an Land ging es mit dem Regen weiter. Die Straße am Ufer war mehr als kniehoch überflutet und auch die Umkleiden standen unter Wasser. Auf dem Weg zur Unterkunft mussten wir weiteren überfluteten Straßen und einem umgestürzten Baum ausweichen. Am nächsten Tag war der Sturm dann vorüber und der Wind damit leider auch. Nach langem Warten haben wir zwar noch ein Rennen angeschossen, aber das musste dann leider wieder abgebrochen werden. Der letzte Tag brachte auch nicht mehr Wind, sodass keine weiteren Rennen in die Wertung hinzukamen. Abends gab es also nur noch die Siegerehrung. Als Gewinnerin der Regatta wurde ich zwar geehrt, der Titel ging aber an die Zweitplatzierte und erste Italienerin. Internationale Meister scheint es nur in Deutschland zu geben.
Für uns steht jetzt noch ein Trainingsblock in Livorno auf dem Plan, bevor es Anfang Dezember auf Lanzarote wieder in wärmeren Gefilden aufs Wasser geht.
Nachdem die internationale deutsche Meisterschaft die letzten beiden Jahre auf Binnenrevieren ausgesegelt wurde, trafen wir uns dieses Jahr an der See, genauer im schönen Warnemünde. Für mich war es das erste Mal Warnemünde nach dem Umbau der Sportschule und dem Hafenvorfeld. Auf dem Wasser war es dann aber doch das alte Warnemünde. Nach zwei Tagen Training und der Vermessung ging es auch schon los mit der Meisterschaft. Am ersten Tag hatten wir leichte bis mittlere Wind, die ich perfekt nutzen konnte und direkt mit zwei Tagessiegen in die Serie gestartet bin. Der nächste Tag präsentierte sich mit deutlich mehr Wind und einer neuen Richtung ebenfalls als schöner Segeltag. Mit konservativen Startkreuzen habe ich mich anschließend nach vorne gearbeitet und zwei weitere Tagessiege sowie einen zweiten Platz in die Wertung mitgenommen. Für die letzten beiden Tage war dann ordentlich Sturm angesagt und so kam es auch. Wegen einer amtlichen Unwetterwarnung sind wir am dritten Tag an Land geblieben. Am letzten Wettkampftag ging es dann aber doch nochmal aufs Wasser. Leider hatte ich mich im kälter werdenden Warnemünde ordentlich verkühlt. Der Motor lief nur noch auf Sparflamme. Trotzdem hat es für die Platzierungen vier und drei gereicht, bevor es für mich dann zum Kräfte schonen vorzeitig in den Hafen ging. Insgesamt bin ich sehr zufrieden, meinen Titel abermals verteidigt zu haben und mich erneut Deutsche Meisterin nennen zu dürfen.
Die Saison 2025 hatte mit der WM im Mai bereits ihren Höhepunkt. Da keine wichtigen Wettkämpfe mehr geplant waren, beschlossen mein Team und ich, den Sommer zu nutzen, um auf dem Revier von Los Angeles 2028 die ersten Erfahrungen zur richtigen Jahreszeit zu sammeln
weiter lesenQingdao – das Olympiarevier von 2008 – ist bekannt für seine leichten Winde und starke Strömung. Im Training konnte wir verschiedene Bedingungen erleben, hauptsächlich aber Champagnerbedingungen mit großen Wellen und mittleren Winden, die uns allen harte physische Arbeit abverlangten. Pünktlich zu Beginn der WM war dann aber der versprochene Leichtwind da. Dieser stellte die Wettfahrtleitung vor massive Herausforderungen. Die ersten vier Tage war der Wind tagsüber nicht stark genug, um gegen den starken Strom vorwärts zu kommen. Als der Wind etwas stärker war, kam ein dichter Nebel dazu, der es unmöglich machte, vom Startschiff noch das andere Ende der Startlinie zu sehen. Faire Rennen waren also wieder nicht möglich. Bei vier Tagen und keinem Rennen kann man sich vielleicht streiten, ob man es nicht wenigstens mal hätte versuchen können, aber so wurde die WM nur an den letzten beiden Tagen ausgesegelt.
Am fünften Tag brauchte ich zu lange, um hinter die Bedingungen zu kommen. Im ersten Tagesrennen habe ich den Anschluss an die Spitzengruppe bei der Ansteuerung der Luvtonne liegen gelassen. Im zweiten Rennen hatte ich einen sehr guten Start und habe danach die Dreher ausgesegelt, bei einer konstanten Rechtsdrehung war damit aber nicht viel zu holen. Die ersten beiden Rennen waren also nur besseres Mittelfeld. Im letzten Rennen des Tages war mein Start nicht so gut, diesmal habe ich aber die klar bessere rechte Seite gut ausgesegelt und konnte das Rennen hinter der späteren Weltmeisterin aus Frankreich klar auf Platz 2 beenden. Nach einem soliden ersten Segeltag lag ich mit meinen Ergebnissen unter den ersten 15.
Der letzte Tag hielt mit ablandigen Winden von bis zu 30kn, einer guten Welle und natürlich wieder ordentlich Strom einen starken Kontrast zu den vorherigen Tagen bereit. Kurz zusammengefasst, bin ich an dem Tag nicht frei von der Startlinie weggekommen und konnte mich im Laufe der Rennen dann auch nicht mehr ganz nach vorne vorarbeiten.
Insgesamt schloss ich die Regatta mit Platz 26 ab. Das ist weit hinter meiner Zielsetzung für die Weltmeisterschaft gewesen. Nach langer Pause im Anschluss an die Olympischen Spiele in Paris waren meine Beine und vor allem mein Kopf noch nicht ganz warm gelaufen, um bei den anspruchsvollen Bedingungen mein Potential auch abrufen zu können. Dafür reiste ich mit einem kurzen Spaziergang auf der Chinesischen Mauer und ganz viel Motivation für die kommenden trainingsintensiven Monate wieder nach Hause.

Auf dem Weg zu einer Olympischen Medaille konnte ich bisher bereits kleinere aber auch größere Erfolge feiern.
Ein Highlight war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 oder der 5. Platz bei der WM 2021 im Oman, aber es gab noch viel mehr.
Alleine zu segeln ist für mich ein Teamsport. Mit meinen Partnern, Sponsoren und meinem Supportteam arbeite ich stets hart daran, noch ein bisschen besser zu werden. Erfahre mehr über die derzeitigen Partner und Sponsoren oder werde selbst Teil des Teams.
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